DIY: Wie bau ich eine Gasesse 1 (Metallausführung)

Der Mensch, Stahl und Feuer. Dazu Muskelkraft und Kreativität, fertig ist der Schmied. In früheren Zeiten eine Berufung, die nicht ohne Grund mythenumwoben war, aber ich schweife ab. Während meiner Ausbildung war ich für einen Monat in der betriebseigenen Schmiede (quasi der Erstkontakt), danach lief es mir als Zivi wieder über den Weg, daher hatte ich schon so ein bisschen Vorbildung. Dann kam der Beginn des Studiums und mir fiel auf, dass immer nur rumsitzen und Wissen reinschaufeln einen nicht ganz 100%-ig auslastet. Da kam mir das Schmieden wieder in den Sinn, man kann sich kreativ austoben und den Körper auspowern. Der Amboss war das geringste Problem (120 kg für 120 € beim Schrottplatz um die Ecke), nur woher eine Wärmequelle nehmen? Ich kann ja schlecht die Garage umbauen, damit ich da drin n Kohlefeuer betreiben kann, aber beim Zivi… die hatten n Gasfeuer… das war pflegeleichter… aber 300 € vom Fachhandel… das muss doch günstiger gehen. (Oh Gott, das klingt nach BWL) Praktischerweise gibt es im Internet (man suche nach Gasesse, Gasfeuer oder gas forge) und in der Fachliteratur dazu Bauanleitungen. Meine erste Gasesse entspringt dabei prinzipiell dem Buch „Schmieden für Anfänger“, in dem auch auf den Bau einer kostengünstigen Esse für Kohle eingegangen wird. Nun denn, auf gehts an die Vorstellung meines ersten Entwurfs, aber zuerst…

ACHTUNG! Gas ist explosiv und kann hohe Temperaturen erzeugen. Ruft euch immer ins Gedächtnis, dass es brennt (Frischluftzufuhr!) und alles warm sein kann. Sehr warm. Weiterhin kann die feuerfeste Fasermatte gesundheitsschädlich bei der Verarbeitung sein, Atemschutz ist dann mehr als angebracht.

Die hier beschriebene Esse erfordert gute Metallverarbeitungskenntnisse und -möglichkeiten. Sind diese nicht vorhanden, wäre die zweite Esse einfacher nachzubauen. Für die aus Metall benötigt man:

  • Ein recht großes Stahlrohr (konkret z.B. ein 160 mm Rauchrohr ausm Kaminbedarf,  250 mm lang), ca. 15 €
  • Zwei Stützstreben, damit das Rohr nicht dauernd wegkullert (Bleche, z.B. 1,5x50x250 mm), ca. 2€
  • 1″ (Zoll) Rohr mit Gewinde einseitig (zu finden in der Sanitärabteilung im Baumarkt), ca. 2€
  • 1″ (Zoll) Gewindemuffe (nicht zwingend erforderlich), ca. 2€
  • Feuerfeste Fasermatte (ich habe 13 mm starke verwendet), als 1000×610 mm kostet eine 63 €
  • Feuerfester Kleber, 20 € pro Kartusche
  • Schamottemörtel oder feuerfester Steinkleber (letzter kann max. 1600 °C ab), ca. 9€ pro kg
  • Für Rostschutz und Ästhetik schwarze Ofenfarbe in einer Sprühdose/Thermolack, ca. 20€

Die Metallarbeiten sind:

  1. Loch mit Durchmesser von 25 bis 27 mm in das große Rohr bohren/fräsen/sägen (durch die recht geringe Wandstärke kann sich das Rohr jedoch leicht losreißen, beim Einspannen muss man da besonders gut drauf achten)
  2. Die beiden Stützen anschweißen
  3. Das Gewinderohr mit der nicht-Gewindeseite oben an das Rohr schweißen und dabei drauf achten, dass die Löcher vom Gewinderohr und das frisch gebohrte Loch auf der Oberseite miteinander fluchten, da kommt schließlich nachher der Brenner durch. Ein kleines Wort der Warnung: Das Rauchrohr ist meist normaler Stahl, das zöllige Rohr ist jedoch verzinkt. Beides kann man nicht immer einwandfrei miteinander verschweißen, man benötigt dann vernünftige Elektroden.
  4. Gewindemuffe aufs Gewinde schrauben, damit der Anschlag des Brenners besser halten kann. (Ist aber kein Muss)

Jetzt kann man das ganze Teil mit der Farbe ansprühen, damit man nicht immer rostigen Stahl für Augen hat. Danach habe ich die feuerfeste Matte zurechtgeschnitten. Ebenjene Matte gibt es in verschiedenen Ausführungen (Hochtemperatur und atemschädlich, Niedrigtemperatur und biolöslich) und man kann sie einfach mit einem Messer zuschneiden. Da ich eine Filtermaske habe und evtl. Feuerschweißen wollte, hab ich mich für die Hochtemperatur-Variante (maximale Temperatur 1430 °C zu 1200 °C beim biolöslichen) entschieden. Auch das Loch für den Brenner kann man ausschneiden. Danach werden die Matten (ich hab zur besseren Isolierung zwei Schichten verwendet) mit dem feuerfesten Kleber mit dem Rohr verklebt. An dieser Stelle ist die Oberfläche recht weich und kann einfach verfranzen, was bei scharfkantigen Schmiedegut nicht ganz so optimal ist. Deswegen hab kam bei mir zum Schluss eine Schicht Steinkleber auf die Matte, das ist das graue Zeugs auf den Bildern. Diese kann jedoch beim Trocknen einreißen, dann kann man entweder nochmal Mörtel drauf verteilen oder die Risse mit dem Kleber kitten. (letzteres sieht man gut auf dem Bild unten, auf dem das Feuer nicht brennt)

gasesse-1 seite                                             gasesse-2

Im Betrieb komme ich auf Temperaturen in der Esse von ca. 1200 °C und außerhalb von gefühlt 50 °C. Das nenn ich mal gut isoliert! Weiterhin sind die Materialkosten (jedoch nur für die Esse) mit ca. 130 € etwas unter denen einer fertig gekauften, wobei danach noch Material über sein dürfte. Und man hat es halt mit den eigenen Hände gemacht, da kann man schon stolz drauf sein.

Soviel dazu, es folgen Anmerkungen und mögliche Verbesserungen, der Brenner und die Gasesse aus Schamottesteinen.

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